2015 · Kamera
Kurvenklänge
Musikfilm-Reihe · WDR Funkhausorchester × Bundesliga-Fankurven
WDR Funkhausorchester und Fans nehmen gemeinsam in fünf NRW-Stadien die Vereinshymnen auf.
Klassik trifft Fußball klingt auf dem Papier erst einmal wie ein Widerspruch. Genau daraus entstand die Idee hinter Kurvenklänge: das WDR Funkhausorchester spielt die großen Vereinshymnen nicht im Konzertsaal — sondern mitten in der Kurve.
Für Borussia Dortmund, den 1. FC Köln, Schalke 04, Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach wurden die Hymnen direkt in den Stadien aufgenommen — gemeinsam mit mehr als 4.000 Fans. 56 Musiker des WDR Funkhausorchesters saßen dabei nicht auf einer klassischen Bühne, sondern auf Podesten zwischen Fahnen, Schals, Bengalos und tausenden Stimmen.
Die Filme versuchen nicht, Fußball zu erklären. Sie beobachten etwas viel Einfacheres: was passiert, wenn Menschen dieselbe Melodie gleichzeitig singen — und daraus plötzlich etwas entsteht, das größer wirkt als Sport allein.
Zwischen Konzertkleidung und Kutten, zwischen Streichern und Fangesängen entstand ein emotionaler Zwischenraum: Hochkultur trifft Stadionritual. Nicht ironisch. Nicht gebrochen. Sondern mit voller Ernsthaftigkeit auf beiden Seiten.
Regisseur Baris Aladag holte Max Tsui damals explizit mit ins Projekt. Nach mehreren gemeinsamen Musik- und dokumentarischen Arbeiten vertraute er darauf, dass Max genau jenes schwer greifbare Element in die Produktion bringen konnte, das sich nicht planen lässt: Atmosphäre, Nähe und das Gefühl, mitten im Moment zu stehen statt nur darauf zu schauen.
Gerade diese Mischung aus kontrollierter Bildsprache und dokumentarischer Emotionalität wurde zu einem wichtigen Teil der visuellen Identität von Kurvenklänge: keine distanzierte Stadionbeobachtung, sondern Bilder, die versuchen, die kollektive Energie der Menschen spürbar zu machen.
Gedreht wurde im Frühjahr 2015 in fünf NRW-Stadien. Schon während der Produktion wurden die einzelnen Clips über eine Million Mal abgerufen; die fertigen Filme wurden den Vereinen am 24. August 2015 offiziell übergeben. Das begleitende Making-of lief später im WDR Fernsehen.
Für Max Tsui wurde Kurvenklänge auch deshalb prägend, weil die Filme etwas sichtbar machten, das später immer wieder in seiner Arbeit auftauchen sollte: Menschen nicht nur zu zeigen — sondern kollektive Emotion filmisch spürbar zu machen.
Zwischen den Takes